Trendthema Venencremes und -tabletten – mehr Schein als Sein?

Mit der heißen Jahreszeit kommen bei vielen Krampfader-Patienten Schwellung und Spannungsgefühl in den Beinen zurück. Schnell ist die Versuchung groß, anstelle der ungeliebten Kompressionsstrümpfe zu Venencremes und Venentabletten zu greifen. Doch ist das wirklich sinnvoll und gesund?

Die gute Nachricht zuerst:

Venencremes und -tabletten enthalten durchaus effektive Wirkstoffe!

Bei den Wirkstoffen muss unterschieden werden zwischen

  1. gefäßtonisierenden, d.h. die Ader verengenden und
  2. ödemprotektiven, d.h. dem Austritt von Wasser in das Gewebe entgegenwirkenden Inhaltsstoffen.

Beides ist beim Krampfaderleiden ein durchaus sinnvoller Wirkmechanismus: Die erkrankte Vene ist erweitert und durch eine Stärkung der Muskulatur der Venenwand wird die Vene wieder kleiner. Zum anderen führt beim Krampfaderleiden der erhöhte Druck in der erkrankten Vene zu einem Austritt von Wasser durch die Venenwand in das umliegende Gewebe und damit zu einem Anschwellen im Bereich der Knöchel. Protektive Wirkstoffe dichten die Zellwände der Venenwand ab, so dass dieser Flüssigkeitsaustritt aus der Vene in das umliegende Gewebe erschwert oder sogar ganz gestoppt wird.

Welche Wirkstoffe sind in Venencremes und -tabletten enthalten?

Entsprechend den beiden oben genannten Mechanismen unterscheidet man Wirkstoffe mit venentonisierender Funktion – allen voran die Roßkastanie, der Mäusedorn und rote Weinlaub – sowie Wirkstoffe mit antiödematöser Wirkung. Dieser Gruppe gehört vor allem das in Zitrusfrüchten vorkommende Diosmin an aber auch die schon genannten Inhaltsstoffe von Roßkastanie, Mäusedorn und rotem Weinlaub. Die meisten Stoffe wirken sowohl kräftigend auf die Muskulatur der Venenwand als auch zellstabilisierend und somit schützend vor einem Wasseraustritt in das umliegende Gewebe. Sie sind in der Regel apothekenpflichtig.

Ist die Wirkung von Venencremes und -tabletten wissenschaftlich bewiesen?

Die Wirkung dieser Venenmittel auf die Symptome eines Krampfaderleidens waren in der phlebologischen Fachwelt lange Zeit sehr umstritten. Mittlerweile existieren allerdings einige seriöse und Plazebo-kontrollierte Studien, in denen die Verabreichung einiger der oben genannten Substanzen zu einer Reduktion subjektiver Venensymptome beim Patienten geführt hat. Hier ist allen voran eine positive Beeinflussung des subjektiven Schwere- und Spannungsgefühls in den Beinen zu nennen. Allerdings spricht vieles dafür, dass die Einnahme einer Tablette wirksamer als das Auftragen einer Creme ist. Die Anwendung einer Creme birgt immer die Gefahr, dass der eigentliche Wirkstoff die Hautbarriere nicht richtig durchdringt und den beabsichtigten Wirkort nicht erreicht.

Eines sollte hier noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden:

Es existiert keine Creme oder Tablette gegen die Krampfader selbst!

Alle Venenmittel – egal ob in Creme- oder Tablettenform – zielen ausschließlich auf die Beeinflussung der Begleiterscheinungen beim Krampfaderleiden ab – nicht auf die Krampfader selbst.

Keine längere Anwendung ausschwemmender Medikamente („Diuretika“)!

Manchmal greift der von einer Beinschwellung Betroffene auch zur Einnahme ausschwemmender Medikamente, den sog. Diuretika. Hiervon ist jedoch abzuraten, da diese Medikamente mit ihrer starken Wirkung auf die Niere den gesamten Salzhaushalt des Körpers durcheinanderbringen und damit auch gefährlich werden können. Sie wirken zwar schnell und potent ausschwemmend, allerdings erkauft man sich diese Wirkung mit einer Reihe an Komplikationsmöglichkeiten und manchmal auch mit einer Verschlimmerung der Beinbeschwerden. Diuretika sollten bei einer venösen Indikation höchstens für eine Woche eingenommen werden und nur bei sehr starken Beinschwellungen kurzfristig zum Einsatz kommen. Bitte befragen Sie hierzu Ihren behandelnden Arzt. Abgesehen davon sind diese Medikamente ohnehin verschreibungspflichtig.

Welche Nebenwirkungen haben Venencremes und -tabletten?

Der Beipackzettel verrät alles über die möglichen Nebenwirkungen des jeweiligen Wirkstoffes. Auch kann Ihnen Ihr Apotheker im Gespräch weiterhelfen. Denn obwohl es sich um natürlich vorkommende Wirkstoffe handelt und das Risiko für eine ernsthafte Komplikation niedrig ist, sollte die Gefahr möglicher Nebenwirkungen bei der Anwendung dieser Venenmittel nicht unterschätzt werden. An erster Stelle ist hier natürlich eine allergische Reaktion auf den Wirkstoff selbst zu nennen. Eine Auflistung der spezifischen Nebenwirkungen würde diesen Artikel aber sprengen und kann an entsprechender Stelle nachgelesen werden.

Helfen Venencremes und -tabletten langfristig?

Die Einnahme von Venentabletten oder das Aufbringen von Venencremes stellen nur eine kleine Therapiesäule beim Krampfaderleiden dar. Die Basistherapie ist weiterhin die Kompressionstherapie mit einem medizinischen Kompressionsstrumpf mindestens der Klasse I. Bei Beschwerden oder aber zum Schutz vor einer Venenthrombose beziehungsweise einem Folgeschaden am tiefen Venensystem sollte auch ein operativer Eingriff, am besten mit einem minimalinvasiven endovenösen Verfahren, angedacht werden (Laser, Radiofrequenz, Schaumsklerosierung oder Venenkleber). Auch das klassische Stripping-Verfahren steht natürlich noch zur Verfügung.

Sollten Sie sich zur Anwendung einer Venensalbe oder der Einnahme von Venentabletten entscheiden, so ist dies immer eine langfristige Anwendung. Es macht keinen Sinn, nur kurzfristig diese Medikamente anzuwenden, da das Krampfaderleiden ein chronisches und somit lebenslanges Leiden ist und sinnvollerweise beim Auftreten von Symptomen auch langfristig behandelt werden sollte. Zudem dauert es immer einige Tage, bis die erwünschte Wirkung und Beschwerdelinderung einsetzt. In diesem Zusammenhang noch eine weitere wichtige Feststellung:

Die Anwendung von Venenmitteln ist nur beim symptomatischen Krampfaderleiden indiziert

Venencremes und Venentabletten sollten nicht beim Krampfaderleiden ohne Beschwerden angewendet werden. Ihre Aufgabe ist es, Beschwerden zu lindern und nicht die Krampfader selbst zu behandeln. Somit gibt es im Falle fehlender Beschwerden keinen Grund zu deren Anwendung.

Über die Sinnhaftigkeit sowie die Vor- und Nachteile einer Anwendung von Venencremes und -tabletten in Ihrem ganz individuellen Fall wird Sie Ihr behandelnder Phlebologe gerne beraten.