Klassische Anzeichen für ein Lipödem – das sind die Symptome.

Das Lipödem hat in den letzten Jahren eine zunehmende Beachtung besonders unter dem weiblichen Geschlecht erfahren. Immer mehr Frauen jeden Alters fragen sich – beeinflusst durch soziale Medien und ihr näheres Umfeld – ob die Ursache Ihrer Körperform möglicherweise im Vorliegen eines Lipödems begründet ist.

Eine lange Vorgeschichte an Diäten und sportlicher Betätigung haben nicht zu einem erfolgreichen Rückgang von Problemzonen geführt. Trotz Schwitzen im Fitness-Studio und selbstverordnetem Verzicht auf Süßigkeiten wollen die Pfunde an den Problemzonen einfach nicht purzeln. Beliebte Regionen sind hier insbesondere die Oberschenkelaußenseiten (sog. Reiterhosen) und das Fettgewebe an den Kniegelenken. Aber auch an anderen Körperstellen können die vermehrten Fettpolster therapieresistent sein. Viele Frauen nehmen einfach nur kontinuierlich zu, ohne diesen Prozess aufhalten zu können und sind verzweifelt.

Häufig spricht auch der Krankengymnast die Patientin im Rahmen einer Behandlung aus anderem Grunde auf das mögliche Vorliegen eines Lipödems an und empfiehlt den Gang zum Arzt.

Was genau ist ein Lipödem?

Das „Lipödem“ ist eine Fettverteilungsstörung des Unterhautfettgewebes, welches nach der heutigen Definition berührungs- und schmerzempfindlich sein muss, um die Diagnose „Lipödem“ stellen zu können. Der Grund für die Schmerzen wird nach aktuellem Wissenstand in einem unterschwelligen und chronischen Entzündungsprozess im Unterhautfettgewebe vermutet.

Obwohl das Wort „Ödem“ (Wassereinlagerung) im Wort „Lipödem“ vorkommt, ist heute klar, dass keine Wassereinlagerungen im Gewebe beim Lipödem vorhanden sind. Wasser konnte in hunderten von Ultraschalluntersuchungen und Kernspintomografien niemals nachgewiesen werden. Somit ist auch – entgegen der insbesondere im Internet weit verbreiteten Meinung – beim Lipödem eine manuelle Lymphdrainage sinnlos, da kein Wasser zum Abtransport vorliegt und vermehrtes Fettgewebe nicht wegdrainiert werden kann. Erst beim Hinzutreten von deutlichem Übergewicht zum Lipödem kommt es über eine Abflussstörung von Lymphe im Unterhautfettgewebe zur Wassereinlagerung, die dann mit einer manuellen Lymphdrainage abtransportiert werden kann.

Wie kann ich selbst erkennen, ob ich an einem Lipödem leide?

Die wissenschaftliche Betrachtung auf das Lipödem hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Gewebeuntersuchungen des abgesaugten Fettgewebes beim Lipödem-Patienten haben ein vermehrtes Vorkommen von Entzündungszellen zwischen den Fettzellen erbracht. Somit liegt die Vermutung nahe, dass beim Lipödem ein Entzündungsprozess im Unterhautfettgewebe stattfindet, welcher uns zum ersten Leitsymptom des Lipödems führt:

Das Lipödem ist gekennzeichnet durch einen spontanen Schmerz oder Berührungsschmerz im Unterhautfettgewebe an den entsprechenden Körperstellen.

Im Alltag bedeutet dies, dass sich die entsprechenden Körperregionen oftmals schwer und auch schmerzhaft anfühlen, insbesondere verstärken sich die Beschwerden bei Druck oder Berührung, z.B. durch den Partner.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich nicht das Übergewicht an erster Stelle der Symptome genannt habe. Das liegt daran, dass es auch schlanke Patientinnen mit einem BMI von 18 gibt, die an einem Lipödem leiden. Manche Frauen haben beispielsweise nur an den Knien (insbesondere an der Innenseite) vermehrtes Fettgewebe, welches schmerzhaft ist.

Damit kommen wir zum zweiten Leitsymptom:

Beim Lipödem liegt fast immer eine Fettverteilungsstörung mit Betonung der Beine bei schlankem Oberkörper vor. Aber auch Hüften und Arme können vermehrtes schmerzhaftes Unterhautfettgewebe aufweisen. Das Lipödem kommt zudem auch bei normalgewichtigen Frauen und bei normalem Körperbau vor.

Damit sind die typischen Anzeichen für ein Lipödem auch schon aufgezählt.

Nicht mehr zur Definition gehört seit kurzem das spontane und grundlose Auftreten von blauen Flecken, da dies auch in der Normalbevölkerung ein weit verbreitetes Phänomen ist.

Die Stadieneinteilung beim Lipödem

Nach wie vor wird das Lipödem in drei Stadien eingeteilt, die aber mit Vorsicht zu genießen sind, da es sich dabei um eine subjektive Einschätzung mit fließenden Übergängen handelt. Zudem gibt diese Stadieneinteilung nur bedingt Auskunft über den Leidensdruck des Patienten oder eine Indikation zur weiteren Therapie. Die Fachwelt ist sich einig, dass es dringlich einer Neueinteilung des Lipödems bedarf – der Vollständigkeit halber sei hier die aktuelle Stadien-Einteilung aber erwähnt:

Stadium I: glatte Hautoberfläche

Stadium II: unebene Hautoberfläche

Stadium III: überhängende Fettanteile

Gibt es einen Test auf Lipödem?

Ein einfacher Test ist der Druck von außen auf das vermehrte Fettgewebe. Ist dadurch ein Schmerz auslösbar, kann ein Lipödem vorliegen. Natürlich ersetzt ein solcher Selbsttest nicht die professionelle Diagnose.

Der ebenfalls im Internet häufig zitierte „Kneiftest“ (beim Gesunden ist das Zwicken auf der Innenseite des Beines schmerzhafter als auf der Außenseite) ist bereits deutlich subjektiver und damit mit einer höheren Fehlerquote behaftet. Er ist daher nur ein schwacher Indikator für das Vorliegen eines Lipödems – wenn überhaupt.

Weitere Anzeichen, die man ebenfalls häufig im Internet liest, die aber keine sichere Korrelation zum Vorliegen eines Lipödems bieten:

Spontanes Auftreten von blauen Flecken (tritt sehr häufig in der Allgemeinbevölkerung auf).
Nächtliche Schmerzen in den Beinen (kann viele Ursachen haben).
Starke Neigung zu Besenreisern (90% aller Erwachsenen haben Besenreiser).
Anschwellen der Beine im Laufe des Tages (kann normal sein oder spricht für eine Venenschwäche)
Verhärtung des Gewebes (tritt auch bei anderen Erkrankungen auf, das Fettgewebe beim Lipödem fühlt sich oftmals gespannt an)

Was kann ich tun, wenn ich ein Lipödem bei mir vermute?

Der nächste Schritt ist der Gang zum Arzt und hier optimalerweise zu einem Phlebologen (Venenarzt), da sich dieser intensiver mit dem Thema „Lipödem“ auseinandersetzt und vor allem ein Venenleiden als eine mögliche Ursache der schmerzhaften Beine ausschließen kann. Ihr Arzt wird die Diagnose letztlich anhand Ihrer Vorgeschichte, Ihres Beschwerdebildes und des Fettverteilungsmusters weiter eingrenzen und möglicherweise ergänzend einen Ultraschall zum Ausschluss anderer Ursachen durchführen.

Sie erkennen erste Anzeichen eines Lipödems bei sich selbst? Vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Praxis. Wir führen die Diagnostik und stadiengerechte Therapie durch. Gerne unterstützen wir Sie auch mit einer professionellen Zweitmeinung.